Nachhaltige Mode

Die Frauenzeitschrift "annabelle" hat über das Nähwerk IDM berichtet.

Junge Schweizer Start-ups beleben die einheimische Textilindustrie und tun, was sich andernorts die wenigsten kleinen Modelabels leisten können: Ökologisch, fair und nachhaltig produzieren. Für eine bessere Welt und die eigene Zufriedenheit verzichten sie nicht nur aufs grosse Geld – sondern oft auch auf genügend Schlaf.

 

"[...] Da ist etwa das vegane Highfashion-Label Sanikai. [...] Die Mode von Sanikai wurde lange in Lugano genäht. Vorerst hat Wasser die Produktion nach Thun verlegt. Dort, im Nähwerk IDM, erlernen zukünftige Bekleidungsgestalterinnen und Bekleidungsnäher ihr Handwerk möglichst nah an der Realität der Textilwirtschaft. Gearbeitet wird ausschliesslich auf Kundenauftrag hin, und zwar «in den Bereichen Serienproduktion, Prototyping und Masskonfektion», erklärt Leiterin Sabine Portenier (47). Viele ihrer Kunden erkennen oft erst hier, was es für eine Kollektion neben der Idee noch alles braucht. Portenier, selber Designerin mit eigenem Label und eigener Produktion, bietet da oft Hand, insbesondere betreffend Materialverbrauch: «Viele wollen zum Beispiel nachhaltig arbeiten und achten beim Materialeinkauf sehr genau darauf. Dann liefern sie aber Schnittlagenbilder, die viermal so viel Abfall produzieren, wie nötig wäre.» Dass viele der neuen Labels von Quereinsteigerinnen gegründet werden, erstaunt Portenier hingegen nicht. «An den Design-Schulen lernen die Studenten kaum, wie ein Produktionsablauf funktioniert und was es dazu alles benötigt.» Manche lernen es auf dem Weg, andere haben einen guten Geschäftspartner. «Aber für viele ist die Wirtschaftlichkeit eine zu grosse Hürde», sagt Portenier. Dennoch sei die Strategie der Design-Schulen nicht verkehrt. So wird Neues geschöpft, statt immer in erprobten Bahnen zu bleiben. «Wenn man nämlich die Kollektionen der nachhaltigen Labels anschaut, stellt man fest: Alles gleicht sich ein bisschen.» Sie zuckt mit den Schultern. Das habe auch damit zu tun, dass es nicht jeden Stoff in Bio-Ausführung gebe. Nicht jede Farbe ohne schädliche Zusätze. «Und das Design bestimmt nicht zuletzt den Preis hier bei uns. Je einfacher etwas zu nähen ist, desto günstiger können wir es machen.» Pauline Treis von Jungle Folk nennt das «die Challenge, mit begrenzten Mitteln kreativ zu sein».

Trotzdem: Was die jungen Unternehmerinnen tun, ist revolutionär. Es geht gegen die Modeströmungen der letzten knapp vierzig Jahre. Und ist damit der aktuellste Trend überhaupt. Mehr noch: Es ist vielleicht die einzige Möglichkeit, wie junge Schweizer Kleidermacher die glorreichen Wurzeln der eidgenössischen Textilindustrie wiederbeleben können."

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